Am 24. November fand die erste Ausgabe in Tilburg statt – im HQ von First Impression audiovisual, frisch gekrönt zum Integrator of the Year bei den AV Awards. Rund 100 C-Level-Retail-Profis kamen zusammen, um über die Zukunft des Handels zu sprechen. Der wichtigste Take-away? Marken und Stores müssen ein Teil des urbanen Lebens werden – und das Kundenerlebnis sowohl digital als auch physisch auf ein neues Level heben. Oder, wie das Event selbst es auf den Punkt bringt: The future is phygital.
Das brandneue Experience Center von First Impression war am Tag vor Black Friday der Place to be. Rund 100 Gäste aus namhaften Retail-Brands aus ganz Deutschland und den Niederlanden kamen zusammen, um Herausforderungen zu teilen, sich inspirieren zu lassen – und die neuesten visuellen Technologien hautnah zu erleben. Interaktive Installationen, starke visuelle Inhalte, überraschende Konzepte: alles drehte sich um das Thema Interaktivität.
Nach der Tour durch 1.000 Quadratmeter Experience Center ging es in die Studio-Area für die Hauptsessions – mit frischen Perspektiven auf das Einkaufserlebnis von morgen.
Warum Interaktivität wichtiger denn je ist
Kund:innen wollten schon immer mehr als nur Produkte – sie wollen erleben, entdecken, anfassen, sich austauschen. Und heute? Mehr denn je.
Andy Haywood, Head of Global Sales bei Samsung, eröffnete das Event mit inspirierenden Beispielen aus dem Store-Alltag: von spielerischen Schaufenstern bis hin zu interaktiven In-Store-Displays. Sein Lieblingsbeispiel: LEGO. Dort steht längst nicht mehr der Kauf, sondern das Spiel im Fokus. Retailtainment nennt er das – Erlebnis statt Verkaufsdruck. Ziel: Kinder (und ihre Eltern) zum Lächeln bringen. Der Effekt: steigender Umsatz.

Lektionen aus der Vergangenheit
Sabine Krieg, Professorin für Retail Strategy an der Universität Düsseldorf und Beraterin für Marken wie Dior, warf einen spannenden Blick zurück: Erst in den 90er Jahren wurde Einkaufen Teil des städtischen Lebens. Shops zogen in Bahnhöfe und andere öffentliche Räume. Seit den 2000ern erleben wir die Verschmelzung von Shopping, Entertainment und Gastronomie.
Und jetzt? Kehren wir langsam zu öffentlichen Räumen ohne Kommerz zurück – mit einem neuen Fokus: sozialer Verbundenheit. Marken werden zu Freunden, der Handel zum Gemeinschaftsprojekt. Retail entsteht nicht mehr aus der Logik großer Handelsketten, sondern aus dem Wunsch der Community nach Austausch, Nachhaltigkeit und Zugehörigkeit.

Shoppingmeilen verlieren an Relevanz. Retail wird Teil unseres Alltags – zu Hause, bei der Arbeit, im Vorbeigehen. Und das 24/7 – online und offline.
The future is phygital
Der letzte Speaker des Tages war Joris Verhaak, Strategy, Media & Innovation Director bei der niederländischen Marketingberatung Fama Volat. Er wagte den Sprung in die Zukunft: NFTs, Blockchain, Metaverse. Klingt weit weg vom stationären Handel? Nicht für Nike.
Nike bringt mittlerweile Teile seines Metaverse „Nikeland“ in physische Stores – Kund:innen können dort mit ihrem Avatar interagieren. Digital trifft physisch. Phygital eben. Auch hier zeigt sich: Wir wollen mit unseren Lieblingsmarken verbunden sein. Und genau diese Verbindung wird durch phygitale Erlebnisse greifbar.

House of Retail: Nur der Anfang?
War das die erste und letzte Ausgabe? Ganz sicher nicht. Wir sind überzeugt: Das war der Startschuss. Denn wir brauchen die Insights von Expert:innen – und gleichzeitig Inspiration durch echte Erlebnisse.
Aber: Wir müssen uns auch verändern. Sabine Krieg brachte es auf den Punkt: Lass dich inspirieren, nimm mit, was du brauchst – und mach etwas draus.
Wir wissen oft, was nötig ist, um unsere Zielgruppen zu erreichen. Aber der Mut zur Veränderung fehlt. Dabei liegt genau darin die Chance. Also: Lernen wir aus der Vergangenheit – und machen wir uns bereit für das, was kommt.